Die lautstarken Proteste gegen die Brandstifter-Tour der NPD letzten Donnerstag in Dresden waren aus Sicht des Netzwerks Asyl Migration Flucht (NAMF) ein großer Erfolg. Dieses positive Fazit wird aber durch brutale Übergriffe durch Neonazis überschattet.

So kam es bereits an der Moschee zu einem Angriff von mehreren AnhängerInnen und Mitgliedern auf das Fahrzeug von zwei GegendemonstrantInnen. Beim Befahren der Moschee wurde der Wagen von mehreren Personen aus dem Umfeld der NPD attackiert. „Der Übergriff kam aus dem Nichts. Wir konnten uns nur durch schnelles Wegfahren retten“, so einer der Betroffenen. Anschließend zeigten die AngreiferInnen der NPD die Betroffenen auch noch wegen vermeintlicher Körperverletzung an.

Kurz darauf kam es zu einem weiteren brutalen Übergriff durch die Rechten am Sachsenplatz. Als sich etwa 30 bis 40 Personen an der Kreuzung Sachsenplatz/Käthe-Kollwitz-Ufer dem Konvoi der NPD in den Weg stellten, hielten die Fahrzeuge mit Absicht auf die Personen zu. Anschließend stiegen die Nazis aus ihren Autos und griffen die Personen mit Teleskopschlagstöcken und anderen Waffen an. Dabei wurden mindestens zwei Personen verletzt. Die viel zu spät anrückende Polizei nahm daraufhin lediglich die Personalien der Nazis auf, die GegendemonstrantInnen wurden jedoch in Gewahrsam genommen. Die Polizei verhinderte auch nicht, dass Neonazis die Betroffenen noch abfilmten.

Das Netzwerk Asyl Migration Flucht kritisiert das Vorgehen der Polizei: „Es ist aus unserer Sicht völlig unklar, wie die Polizei die NPD nach zwei brutalen Angriffen weiterfahren lassen konnte“, so Stefan Stein, Sprecher des NAMF. Außerdem war bekannt, dass bereits in Chemnitz nach Zwischenfällen Waffen bei der NPD gefunden wurden. „Man hätte die NPD-Fahrzeuge untersuchen und sie von der Moschee bis zur Florian-Geyer-Straße begleiten müssen“, so Stein weiter. Stattdessen folgte die Polizei friedlichen Studierenden der Evangelischen Hochschule (EHS) mit mehreren Einsatzfahrzeugen zur Gegenkundgebung. „Das Gewalt- und Gefahrenpotential der NPD wird in Dresden weiterhin systematisch verharmlost“, so Anja Müller, Sprecherin des NAMF. „Wir stehen geschlossen hinter den Betroffenen der Übergriffe und verurteilen das Verhalten der Polizei und der Versammlungsbehörde auf das Schärfste“.