Neue Bewegung im Fall Lety

In den unsäglichen Fall um die Schweinemastanlage auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers für Roma bei Lety u Písku in Tschechien ist überraschend neue Bewegung gekommen (Hintergrundinformationen zu dem Lager und den zugehörigen Diskussionen hier). Auslöser war zunächst eine öffentlich getätigte Aussage des tschechischen Finanz- und Vize-Premierministers Andrej Babiš, in der er bestritt, dass das Lager in Lety ein Konzentrationslager war. Dieser offene Geschichtsrevisionismus führte diesmal jedoch zu reichlich Widerspruch. Mehrere amtierende Minister forderten Babiš auf, selbst zu den Gedenksteinen nach Lety zu fahren. Daraufhin bestritt dieser zunächst seine Äußerung, um sich später für sie zu entschuldigen und tatsächlich dem ehemaligen Konzentrationslager einen Besuch abzustatten. Unter anderem erklärte er, sich nun dafür einsetzen zu wollen, dass die tscheschische Regierung die Schweinefarm endlich aufkauft und an ihrer Stelle ein würdiges Denkmal errichtet. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, erneut gegen die Roma-Minderheit Stimmung zu machen. Unterdessen äußerten sich die Eigentümer der Schweinemastanlage und erneuerten ihre Zusage, das Gelände an die Regierung verkaufen zu wollen. Insbesondere die zahlreichen Aktionen unserer Freund_innen von der tschechischen NGO Konexe vor Ort hätten sie zu dieser Entscheidung veranlasst, aber die Regierung habe nach wie vor kein konkretes Angebot vorgelegt.

Die aktuelle Auseinandersetzung führte zu zahlreicher Presseberichterstattung nicht nur in Tschechischen, sondern auch zu erneuter Öffentlichkeit in Deutschland. Unter anderem veranstaltet die Initiative RomaTrial aus aktuellem Anlass eine Podiumsdiskussion zum Fall Lety in der tschechischen Botschaft in Berlin. Am 13. Oktober werden dort mehrere Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen mit dem tschechischen Botschafter und dem Sonderbeauftragten für Holocaustfragen des tschechischen Außenministeriums diskutieren. Mit dabei sind auch unsere Freunde Jozef Miker und Markus Pape, mit denen wir gemeinsam unsere Infotour „Free Lety“ letztes Jahr bestritten. Unterdessen bekräftigten Konexe gemeinsam mit dem EGAM-Netzwerk in einem offenen Brief ihre Forderung an die Regierung, ihren Worten endlich Taten folgen zu lassen und die Schweinefarm zu schließen.

Wir senden solidarische Grüße und hoffen, dass wir unser Ziel bald erreicht haben.
Gruppe Gegen Antiromaismus