Riesaer Familie mit acht Kindern nach Mazedonien abgeschoben – Rechtsmittel noch nicht ausgeschöpft

In der Nacht vom 24. auf den 25. Mai wurde ein Teil der Familie Bekir aus Riesa nach Mazedonien abgeschoben. Die Familie lebt seit 7 Jahren in Sachsen. Als Roma mussten sie Mazedonien verlassen, da sie Übergriffen durch die Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt waren und vom Arbeits- und Wohnungsmarkt ausgeschlossen worden sind. Über einen Widerspruch im Verfahren zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 5 AufenthG war seit mehreren Jahren nicht entschieden worden.
Gleichzeitig war die Abschiebung quasi als heimlicher Überraschungsakt vorbereitet worden.

„Sachsen erhöht Abschiebezahlen“, „Mazedonien als sicherer Drittstaat eingestuft“ – hinter solchen sbstrakten Formulierungen stehen die konkreten Schicksale von Menschen. In Riesa wurde nun Familie Bekir Opfer der Asylrechtsverschärfungender vergangenen Monate. Nach sieben Jahren in Deutschland werden sie nach Mazedonien abgeschoben. Ein Land, das ein Teil der Familie noch nie gesehen hat: Mehrere der acht Kinder zwischen 2 und 19 Jahren sind in Deutschland geboren. Die Familie gilt in Riesa als gut integriert. Die Kinder besuchten Riesaer Kindergärten und Schulen und haben dort zahlreiche Freundegefunden. Der Vater, Sami Bekir, konnte mit wechselnden Jobs die Familie finanziell über Wasser halten. Gemeinsam mit verschiedenen Netzwerken aus Dresden und Leipzig setzte sich Familie Bekir für andere Roma-Familien und ein dauerhaftes Bleiberecht für Romnja und Roma in Deutschland ein.

Morgens um 2 Uhr wurde die Familie von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Die Mutter und die drei jüngsten Kinder (2, 5 und 7 Jahre alt) wurden zunächst allein nach Mazedonien abgeschoben und die Familie so getrennt. „Meine schwer erkrankte Frau ist nun mit meinen drei Kleinsten in Mazedonien, wo sie seit 16 Jahren nicht gewesen ist. Sie hat dort weder eine Wohnung noch irgendwelches Geld“ sagt Sami Bekir.Mit Unterstützung seines Anwalts versucht er nun, Rechtsmittel gegen die ihm angedrohte Abschiebung einzulegen und die Abschiebung seiner Frau und der drei jüngsten Kinder rückgängig zu machen.“Die Trennung von Familien ist unmenschlich und widerspricht dem Deutschen Grundgesetz, wonach die Ehe dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung untersteht“, sagt Gjulner Sejdi, Vorsitzender des sächsischen Roma Vereins Romano Sumnal e.V. „Auch die Rechte der Kinder werden hier missachtet, die Trennung der Kinder von ihrem Vater und die Abschiebung mit der erkrankten Mutter gefährden sie massiv und handeln gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Die Geschichte der Familie Bekir zeigt nur einmal mehr, dass Roma auch in Deutschland ungleich behandelt und diskriminiert werden.“

Seit dem Jahr 2009 lebte die Familie in Deutschland und stellte einen Antrag auf Asyl, welcher 2010 abgelehnt worden ist. Außerdem hat nur ein Teil der Familie überhaupt die mazedonische Staatsbürgerschaft. Sami Bekir ist staatenlos, seine Abschiebung nach Mazedonien wäre damit auch rechtlich nicht zulässig. Den deutschen Behörden scheint dies egal zu sein. Patrick Irmer vom Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. erklärt hierzu: „Romnja und Roma sollten in Deutschland grundsätzlich ein Bleiberecht bekommen. Im Nationalsozialismus wurden mehrere hunderttausend Sinti und Roma ermordet. Bis heute werden sie in ganz Europa diskriminiert und damit zur Flucht gezwungen. Die Nachkommen derjenigen, die damals der deutschen Vernichtungsmaschinerie entkamen, werden heute wieder gegen ihren Willen vom deutschen Staat verschleppt. Das ist eine Schande!“

Im Jahre 1999 wurde die Familie Opfer ethnischer Unruhen. Bei einem Brandanschlag auf das Haus der Familie erlitten die zwei ältesten Kinder (damals 2 und 4 Jahre alt) schwerste Verbrennugen und mussten mehre Operationen über sich ergehen lassen. Im darauf folgenden Jahr begann die Odyssee der Familie: Es folgten mehrere Abschiebungen und Familientrennungen zwischen Bosnien und Mazedonien bis sich die Familie 2009 schließich dazu entschieden nach Deutschland zu fliehen. Nun kam es erneut zu einer Familientrennung organisiert durch deutsche Behörden.

In den vergangenen Wochen hatte die zuständige Ausländerbehörde der Familie noch Hoffnungen gemacht und sich kooperativ mit der Ausstellung eines Pass für Staatenlose gezeigt. Dieser Pass sollte auch die Abschiebung des staatenlosen Familienvaters ermöglichen. „Die Ausländerbehörde hat uns schlichtweg belogen und seit Monaten die Abschiebung vorbereitet.“ sagt Sami Bekir.

Der Sächsische Flüchtlingsrat e.V. und der Kosmotique e.V. Dresden unterstützen die Familie Bekir bei den Prozesskosten und – im schlimmsten Falle – dem Neustart in Mazedonien. Dafür ist sie auf Spenden angewiesen:
Spendenkonto: Kosmotique e.V., IBAN: DE83 4306 0967 1130 3605 00, BIC: GENODEM1GLS, GLS Gemeinschaftsbank e.G., Stichwort: Familie Bekir

Kontakt:
Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
Patrick Irmer
irmer@sfrev.de
0157-352 391 00
Dammweg 5
01097 Dresden

Sächsischer Flüchtlingsrat e. V.
Geschäftstelle Dresden
Tel. & Fax: 0351 874 517 10 Mobil: 0157 352 391 00
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