Khaled wurde getötet! Solidarität mit den von Rassismus betroffenen Menschen in Dresden statt Dialog mit PEGIDA

Der Tod von Khaled macht uns fassungslos! Der 20-jährige Eritreer wurde in der Nacht zu Dienstag im Dresdner Südosten offensichtlich getötet. Unsere Anteilnahme gilt den Freunden und der Familie! Khaled ist aus Eritrea geflüchtet, weil er dort politische Repressionen erlitten hat. Hier in Deutschland suchte er Schutz und Hilfe. In Dresden ist dieser Wunsch gestorben.

UPDATE (Donnerstag, 22.1.2015): Wie die Staatsanwaltschaft in Dresden heute mitgeteilt hat, wurde Haftbefehl gegen einen Mitbewohner von Khaled erlassen. Dies ist genauso zu verurteilen. Wir sind erleichtert, dass es nicht so ist und hoffen, dass es auch nicht dazu kommen wird. Nicht hier oder anderswo. Es macht die Situation von Migrant*innen und Asylsuchenden in Dresden aber nicht besser oder sicherer; ganz im Gegenteil: Rassismus ist ein Problem und Rassismus tötet. Wir werden auch in Zukunft nicht zulassen, dass dieses Problem unter den Teppich gekehrt wird. Wir bedauern den Tod von Khaled, aber wir werden deshalb nicht aufhören, Probleme in dieser Gesellschaft beim Namen zu nennen!“

UPDATE (Freitag, 16.1.2015): Da es derzeit nicht klar ist, ob es sich beim Tod von Khaled um einen Mord aus rassistischen Motiven handelt oder ob der Tod einen anderen Hintergrund hat, ist auch uns daran gelegen, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Wir werden wie alle anderen die Ergebnisse der Polizei abwarten. Fakt ist aber: In Dresden wird es immer gefährlicher, als Migrant oder nicht-weiß-aussehende Person auf die Straße zu gehen, insbesondere montags. Uns reicht also schon die Frage, ob eine rassistische Straftat verwunderlich wäre und da kommen wir zu einer klaren Antwort: Nein!

Viele Asylsuchende, Freunde und Mitbewohner von Khalid sind seit Monaten von Beleidigungen und Angriffen betroffen sind und vor kurzem sind Hakenkreuze und Drohungen im Hausflur des Wohnblocks aufgetaucht. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Tötungsdelikt aus Hass handelt jedenfalls da. Das tatsächliche Motiv der mordenden Person(en) kann unabhängig davon auch etwas anderes gewesen sein als Rassismus. Aber die Wirkung des Mordes ist rassistische Einschüchterung. PEGIDA trägt maßgeblich zu dieser Stimmung bei. Dies ist ein Armutszeugnis für die derzeitigen Verhältnisse in Dresden, für die Gesellschaft und die Menschen hier und auch die Politik. Und das muss man benennen.

PM Saechsischer Fluechtlingsrat, IDA und eritreische Community in Dresden

Mahnwache Khaled am 14.1.2015

Seit einigen Monaten können Migrant*innen in Dresden nicht mehr sicher vor die Tür gehen. Immer wieder kommt es zu rassistischen Beleidigungen und zu Attacken. Dies passiert im Kontext der PEGIDA-Bewegung und ist eine direkte Folge der Hetze, die jeden Montag von diesen Demos ausgeht. PEGIDA hat es geschafft, offenen Rassismus in Dresden wieder salonfähig zu machen. Der bisher größte Angriff ereignete sich am 22. Dezember nach einer PEGIDA-Demo. Eine Gruppe Kurdin*innen wurde von Dutzenden Neonazis und Hooligans angegriffen. Weder Zeugin*innen noch die Polizei griffen ein.

Der Tod von Khaled ist zwar noch nicht aufgeklärt. Sollte sich aber bewahrheiten, dass es sich um einen rassistischen Mord handelt, ist damit eine neue Dimension erreicht. Khaled wäre damit ein weiteres Opfer dieser Stadt, für die stellvertretend Jorge-Gomondai oder Marwa El-Sherbini genannt werden müssen. Die eritreische Community in Dresden, die sich am Mittwoch Abend gemeinsam mit der Initiative Dresdner Antira-Gruppen traf, berichtet von einer permanenten Unsicherheit. Sie fordern die Politik auf, endlich für ihre Sicherheit zu sorgen. Sie fühlen sich wie viele andere Migrant*innen, Schwarze Deutsche, Muslime und Ausländer nicht mehr sicher in dieser Stadt. Seit PEGIDA sei es sehr gefährlich geworden, abends auf die Straße zu gehen.

Mit einer Mahnwache für Khaled und anschließenen Spontandemo am Mittwoch Nachmittag haben 300 Menschen auf die aktuellen Ereignisse reagiert. Vor dem Albertinum, in dem MP Tillich einen Neujahrsempfang veranstaltete, wurde von den Betroffenen und den Unterstützer*innen eine schnellstmögliche Aufklärung gefordert und Solidarität mit allen Betroffenen gezeigt. Diese äußerten gegenüber Pressevertreter*innen und anwesenden Landtagsabgeordneten der SPD, der Grünen und der Linken ihre Angst und ihre Forderungen. Die Integrationsministerin Petra Köpping sicherte ein Gespräch mit der eritreischen Community zu. Als erste Reaktion wurde noch noch am Mittwoch Abend vom Innenminister Ulbig die stärkere Präsenz der Polizei in der Nähe der Wohnungen der betroffenen Eritreer beschlossen. Die Sonderkommission der Polizei wurde auf 25 Personen aufgestockt.

Parallel zur Demonstration wurden in der Polizeiwache in der Schützengasse Mitbewohner von Khaled befragt. Zufällig waren auch die PEGIDA-Organisator*innen in der Polizeiwache. Eine Augenzeugin berichtete, dass Lutz Bachmann die Schuld für den Tod auf die „Flüchtlinge“ schob und jede Verantwortung von sich wies. Man darf nun gespannt sein, wie dieser Vorfall am Montag thematisiert wird. Im Netz lassen sich bereits viele Personen unter entsprechenden Artikeln über den Tod Khalids aus, teils mit wirklich menschenverachtenden Äußerungen.

Wir fragen uns, was noch passieren muss, damit in Dresden und Sachsen endlich gehandelt wird. Die rassistische Grundstimmung in Dresden ist zum Greifen. Nicht erst seit PEGIDA, aber jetzt besonders. Die vielen dokumentierten Angriffe und Beleidigungen sind die direkte Folge dieser Bewegung, die sich zwar als friedlich bezeichnet, bei der aber montäglich Hass gesät und Vorurteile und Ressentiments gegenüber Aslysuchenden und Migrant*innen gepflegt werden. Das „Volk“ nach PEGIDA ist weiß und deutschsprachig, alles andere sind Schmarotzer und Außenseiter, die nicht nach Deutschland gehören.

Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie die Gefahr für Menschen mit jeder Woche steigt. Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie PEGIDA der Dialog angeboten wird, Migrant*innen und Schwarze Deutsche aber nicht gehört werden. Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie Verständnis für besorgte Bürger geäußert wird, aber Opfer von rassistischen Angriffen auf der Polizeidienststelle vorgeworfen wird, sei hätten sich ihre Verletzungen selber zugefügt. Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie Opfer zu Tätern gemacht werden. Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie der alltägliche strukturelle und individuelle Rassismus als Randphänomen abgetan wird. Wir wollen nicht länger mit ansehen, wie die Sächsische Staatsregierung Öl ins Feuer gießt, in dem sie Sondereinheiten für straffällige Asylsuchende einrichtet und Abschiebungen konsequent durchsetzen will und damit dem „Volk“ nur das Gefühlt gibt, dass es richtig liege. Wir wollen nicht weiter mit ansehen, wie antirassistische Initiativen verunglimpft und kriminalisiert werden, während man selber keine klare Position bezieht.

Wir stehen hinter der Eritreischen Community und allen betroffenen Menschen in Dresden. Wir fordern die Politik auf, endlich für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Wir fordern den Innenminister Ulbig zum Rücktritt auf, weil er seiner Aufgabe nicht nachkommt. Und vor allem fordern wir die Dresdner Bevölkerung auf, sich am Montag endlich auf die Straße zu begeben, um klar Stellung gegen PEGIDA zu beziehen. Wir fordern Dresdner Vereine und Institutionen, Unternehmen und alle Menschen in dieser Stadt auf, endlich Flagge zu zeigen. Wenige sind betroffen, gemeint sind viele. PEGIDA geht uns alle an!

Weitere Infos folgen…

Dresden, 14. Januar 2015

Update: In der ursprünglichen Version haben wir geschrieben, dass „Parallel zur Demonstration […] in der Polizeiwache in der Schützengasse Mitbewohner von Khaled befragt [wurden]. Nach unseren Informationen verfügte die Polizei nicht über Dolmetscher*innen. Insoweit ist es mehr als fraglich., ob die befragten Personen über ihre Rechte aufgeklärt und über das Vorgehen informiert wurden.“. Wir haben diesen Text korrigiert, da die Polizei im Verlauf des Tages Dolmetscher*innen vor Ort hatte und auch Personen der Opferberatung RAA sowie ein Anwalt anwesend waren. Außerdem hat die Polizei sich für die sehr unorganisierte Befragung entschuldigt und den Betroffenen versichert, dass sie nicht als Verdächtige verhört wurden.

    Presseberichte

Alternative Dresden News


Zeit.de

MDR

Spiegel Online

DNN

Sächsische Zeitung


8 Antworten auf „Khaled wurde getötet! Solidarität mit den von Rassismus betroffenen Menschen in Dresden statt Dialog mit PEGIDA“


  1. 1 A concerned citizen of Dresden 14. Januar 2015 um 23:22 Uhr

    A very well written article. Thank you for standing ad we are all with you. CAN I TRSUT POLICE IN SAXONY? If so How much?
    I heard that people trust Police than politicians in Germany, but I don‘t know how much it is true in Saxony?

    I could already see a change in the atmosphere of DD and how the people treat foreigners. When I am in trams/Buses, I have been witnessing several things including myself since the beginning of christmas already. This wasn‘t the case before.

  2. 2 kris 15. Januar 2015 um 13:20 Uhr

    ich wäre mal gaaanz vorsichtig mit der aussage. und auch was am 22.dezember angeblich passiert sein soll (migranten wurden in dresden von dutzenden neonazis verfolgt)… denn da scheint einiges widersprüchlich zu sein und ist immernoch in klärung(seitens der polizei), wie man im internet selbst lesen kann. tagtäglich passieren morde.es werden auch deutsche von migranten ermordet..ich will hier nichts schön reden nur eben damit zum ausdruck bringen, dass man gewisse sachen klar und differenziert betrachten muss…und nicht schon wieder jemandem (in dem falle mal wieder pegida) den schwarzen peter zuschiebt.

  3. 3 Administrator 15. Januar 2015 um 15:26 Uhr

    @ concernded citizen: We all stand behind the people in Dresden who suffer from this racist movement! We have heard a lot of stories of attacks and we really hope that the police will be sensitive enough in the future to see racism where it happens.

    @ kris: Wir SIND vorsichtig mit unseren Aussagen. Sie sind wohl überlegt und spiegeln die Haltung vieler Menschen in Dresden (und deutschlandweit) wider. Was am 22. passiert ist, konnten wir laut der Augenzeugen ja gut vernehmen, auch das steht im Internet. Und den „Schwarzen Peter“ brauchen wir PEGIDA nicht zuschieben, das machen sie selber. Wir behaupten, dass die Angriffe zugenommen haben, seit PEGIDA durch Dresden läuft, wir behaupten, dass PEGIDA damit die Dynamik und Häufigkeit der Angriffe zumindest begünstigt, wir behaupten NICHT, dass Lutz Bachmann nachts Ausländer durch Dresden jagt. Das schaffen die ganzen Nazi-Hools von Dynamo schon alleine. Wir brauchen mit unseren Aussagen nicht vorsichtig sein, wer aber vorsichtig sein sollte, das sind die PEGIDA-Orgas, denn die Geister, die sie rufen, werden sie so schnell nicht mehr los…

  4. 4 Zottel 16. Januar 2015 um 2:50 Uhr

    Sicherlich kochen nun gerade die Emotionen hoch! Völlig verständlich! Aber laßt uns doch bitte NÜCHTERN die Fakten betrachten! Wys haben wir da? Einen toten Migranten.
    WIE und auf WELCHEN düsteren Pfaden nun der Verfasser dieses fragwürdigen Textes nun AUSGERECHNET EINE VERBINDUNG ZU PEGIDA herstellen will, ist mir MEHR als schleierhaft!!

  5. 5 Ali Schwarzer 16. Januar 2015 um 10:41 Uhr

    > ich will hier nichts schön reden.

    Und trotzdem plapperst du.

  6. 6 Paul 16. Januar 2015 um 10:55 Uhr

    Fühle mich mich unangenehm an die vom deutschen Verfassungsschutz unterstützen NSU-Morde an ausländischen MitbügerInnen erinnert. In den letzten 24 Jahren hat es, m.E. (Sorry, wenn ich irre!), in Dresden keine Todesopfer durch fremdenfeindliche Übergriffe gegeben?! RIP Horge Gomondai! Warum also ausgerechnet jetzt? Wieso sollten Pegida-AnhängerInnen durch eine solche Tat ihre Forderungen diskreditieren?

  7. 7 Winterlichter 17. Januar 2015 um 0:09 Uhr

    Als ich 2011 zum ersten Mal Dresden besuchte, verliebte ich mich gleich in diese wunderschöne Stadt, auch die Menschen dort waren angenehm und freundlich. Da Dresden mir so gut gefallen hat, fuhr ich innerhalb von einem Jahr wieder zweimal dahin, mit unterschiedlichen Freunden, denn ich wollte ihnen diese tolle Stadt zeigen, und mit ihnen meiner Freude und Bewunderung teilen.

    Nun erzählte mir gestern ein Freund aus Eritrea über den Tod seines Landsmannes in Dresden, es ist ein Mord. Ich bin entsetzt!

    Selbstverständlich warten wir alle auf das Untersuchungsergebnis von der Polizei ab. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass wir alle wachsam bleiben sollen, dass solcher Mord, egal von wem angerichtet worden ist, nicht wiederholen darf.

    Ich stehe hinter dem eritreischen Community und habe mein Mitgefühl für alle ausländischen Bürger in Dresden. Der Fall Khalid soll schnell aufgeklärt werden. Ich wünsche mir Zivilcourage der Dresdner Bürger und Bürgerinnen, dass sie gegen Fremdenhass und für ein friedliches Miteinander aller Menschen demonstrieren.

    Ich wünsche auch, dass ich Dresden ohne Angst, mit Freude wieder besuchen kann.

  1. 1 Solidarität mit Khaled und allen Geflüchteten! | Stura HfBK Dresden Pingback am 08. Februar 2015 um 13:10 Uhr
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