Heime in Dresden: Wanzen statt Menschenwürde

Erneute Kritik an der Heimunterbringung in Dresden. In der Florian-Geyer-Straße soll es Schädlingsbefall geben. Die Heimleitung und das Gesundheitsamt ändern nichts an den Umständen. Kritische BewohnerInnen werden aus dem Heim geworfen. NAMF Dresden unterstützt Forderung nach schellstmöglicher Sanierung sowie menschenwüriger Unterbringung von Asylsuchenden in Dresden.

Gemeinschaftsunterkunft in der Florian-Geyer-Strasse in der Dresdner Johannstadt

Weiterhin bestehen schlimme Zustände in der Asylunterkunft in der Florian-Geyer Straße in Dresden. Laut einer Pressemitteilung der Kontaktgruppe Asyl e.V. vom 24.11.2014 klagen viele Bewohner*innen des größten Übergangswohnheimes in Dresden über Ungeziefer und Schimmel:

„In der Beratungsstunde der Kontaktgruppe Asyl berichteten etliche Bewohnerinnen und Bewohner von der Ungezieferplage, mit der sie permanent leben müssen. Mütter klagten darüber, dass Bettwanzen ihren Kindern so zusetzten, dass sie nicht schlafen könnten und sich oft blutig kratzen würden. Aus mehreren Berichten und eigener Anschauung wissen wir von starkem Schimmelbefall in der Gemeinschaftsunterkunft.“

Die Beseitigung der Misstände werde auch nach Anzeige gegenüber der Heimleitung nur unzureichend oder gar nicht vorgenommen. Nach einer Beschwerde durch einen betroffenen Bewohner wurde dieser im Sommer 2014 sogar aus dem Heim geworfen.

„Die Asylsuchenden, die nur ausnahmsweise die Alternative eines Wohnungswechsels haben, sind wegen der Beseitigung der gravierenden Missstände auf Reparatur- und Renovierungsmaßnahmen durch Heimleitung und Personal angewiesen. Ein Bewohner beklagte, dass die Durchführung solcher Maßnahmen auch von der Gunst des Heimleiters abhänge. Wer ihm unsympathisch sei, habe schlechte Chancen. Nach wiederholten erfolglosen Beschwerden riss dem Betroffenen der Geduldsfaden und er riss den Fußbodenbelag seiner Wohnung eigenhändig heraus. Dabei entdeckte er eine sehr lebendige Menagerie sechsfüßiger Untermieter, die eiligst neuen Verstecken zustrebten. Als Reaktion auf diese Selbsthilfemaßnahme warf die Heimleitung den Mann aus dem Haus.“

Das Gesundheitsamt der Stadt lehnte es gegenüber der Kontaktgruppe sogar ab, dem Betreiber (GAGFAH) weiteren Druck zu machen:

„Bei telefonischer Nachfrage am 16. 06. 2014 [durch die Kontaktgruppe Asyl] teilte eine Mitarbeiterin mit, dass das Amt nur Aufsichts- und Kontrollinstanz für die Heimbetreiber sei, selbst aber keine Maßnahmen in die Wege leiten würde. Die Heimleitung habe Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen eingeleitet, somit gäbe es für das Amt weder Veranlassung noch Möglichkeit zum Eingreifen.“

Besonders schlimm ist die Tatsache, dass die GAGFAH bereits vor zwei Jahren versprach, endlich etwas gegen die Zustände im Haus zu unternehmen. Das NAMF Dresden und die Kontaktgruppe Asyl hatten bereits damals darauf hingwiesen, dass in vielen Zimmern von einem „lebenswürdigen Wohnen“ nicht mehr die Rede sein könne. Das Projekt eingeschlossen.ausgeschlossen dokumentierte in den letzten Jahren zudem die Zustände in Asylheimen in und um Dresden, unter anderem auch in der Florian Geyer Straße. Auch im Heim-TÜV des Sächsischen Ausländerbeauftragten wurden einige Dresdner Unterkünfte als schlecht eingestuft. Dies betrifft beipielsweise auch das Gustavheim auf der Pillnitzer Landstraße in Niederpoyritz, welches allerdings 2015 endich geschlossen werden soll.

Das NAMF Dresden schließt sich der Forderung der Kontaktgruppe Asyl an: Die Stadt, allen voran der Sozialdezernent und das Sozialamtsowie das Gesundheitsamt als verantwortliche Behörden für die Unterbringung und die Kontrolle müssen bei der Unterbringung in Zukunft genauer hinschauen und bei eklatanten Verstößen wie im vorliegenden Fall reagieren.

Die GAGFAH fordern wir ein weiteres Mal auf, endlich für eine Renovierung des Gebäudes zu sorgen. Wir wissen um die Schwierigkeiten, Menschen in Dresden unterzubringen, aber das Gebäude in der Florian-Geyer-Straße ist eindeutig nicht mehr in dieser Form tragbar. Außerdem fordern wir die GAGFAH und die Stadt Dresden auf, offenzulegen, was aus dem Investitionsplan von 2012 geworden ist, nach dem 300.000€ investiert werden sollten, unter anderem in die Renovierung von Bädern und den Brandschutz.

Darüber hinaus muss, soweit neue Heime wirklich eröffnet werden müssen, auf die menschenwürdige Unterbringung geachtet werden. Das heißt für uns: Kleine und sanierte Wohneinheiten und ein Standort in Wohngebieten und nicht in Gewerbe- oder Mischgebieten sowie eine ordentliche Verkehrsanbindung. Wir unterstützen ausdrücklich den Kurs der Stadt Dresden, Menschen in Wohnungen unterzubringen. Die Einrichtung von Containern oder ähnlichem lehnen wir ohne Einschränkung ab.