Wegsehen und Weghören: Mazedonien et al. als sichere Herkunfsstaaten für Roma?

Die Bundesregierung versucht derzeit, einen Gesetzesentwurf durchzubringen, der drei Balkanstaaten zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt und damit die positive Bescheidung von Asylanträgen aus diesen Ländern stark erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Dies trifft in voller Härte vor allem Angehörige der Minderheit der Roma, die aufgrund ethnischer und sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung auch nach Deutschland fliehen.

Eine gute Auseinandersetzung zu diesem Thema mit aktuellen Beispielen, die die Folgen für Betroffene aufzeigen, findet ihr auf folgendem Blog:

http://ecoleusti.wordpress.com/2014/07/30/abschiebung-roma-mazedonien/

„Ein Beispiel unter vielen: Abschiebung von Roma in das “sichere Herkunftsland” Mazedonien

[…] Letztendlich ging es im Bundestag nicht um die Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Situation in den Staaten, sondern offensichtlich (gleich an erster Stelle im Gesetzesentwurf) wieder einmal um eine “das Boot ist voll” Rhetorik und die Deutungshoheit darüber, wer aus welchem Grund flüchten darf um in der Bundesrepublik Deutschland erfolgreich Asyl beantragen zu können. […] Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der bereits im Februar mit seiner Freundin abgeschobene Rom von der mazedonischen Polizei verhaftet und mehrfach zu seinen Fluchtgründen, dem deutschen Asylantrag sowie Kontakten in Deutschland befragt worden ist. Mittlerweile wurde ein Anwalt eingeschaltet; der junge Mann wurde freigelassen (siehe esPRESSo Blog – Jürgen Weber). Anhand dieser Schicksale zeigt sich einmal mehr, welchen Schikanen Geflüchtete ausgesetzt sind und wie ihre Grundrechte – auch in Deutschland – mit Füßen getreten werden.“


2 Antworten auf „Wegsehen und Weghören: Mazedonien et al. als sichere Herkunfsstaaten für Roma?“


  1. 1 Makedonier 04. August 2014 um 23:47 Uhr

    Was immer wieder nicht erwähnt wird, in Mazedonien haben Romas eigene Parteien, eine Gemeinde mit eigenem Bürgermeister in der auch die Sprache der Roma als offizielle Sprache anerkannt ist, Romas können in Mazedonien Unterricht in Muttersprache besuchen, ein Roma ist Mazedoniens dienstältester Parlamentarier, Romas haben eigene Medien und Fernsehsender,etc…

    Mehr als sicher iss nich!

  2. 2 Administrator 07. August 2014 um 14:49 Uhr

    Lieber Makedonier,

    dass es institutionell durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten des Balkans gibt und damit zumindest auf dem Papier durchaus auch Rechte für Roma existieren, bezweifeln auch wir nicht. Hingegegen sind wir uns auch aufgrund vieler Aussagen Betroffener und zahlreicher Publikationen zu diesem Thema sehr sicher, dass die Aussage „Mehr als sicher iss nich!“ an dieser Stelle wohl nicht stimmt.

    Wir möchten hier nur beispielhaft auf folgende Publikation der NGO Pro Asyl verweisen.

    http://www.proasyl.de/fileadmin/fm-dam/NEWS/2014/Pro_Asyl_Gutachten_zum_Vorhaben_der_Einstufung_von_Serbien__Mazedonien_und_Bosnien_und_Herzegowina_als__sichere_Herkunftsstaaten_.pdf

    Sollten Sie Interesse an anderen Publikationen haben, die die Situation von Roma in Mazedonien untersuchen, zögern Sie nicht, uns zu schreiben.

    Mit freundlichen Grüßen,

    ~namf

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