Trotz schwerwiegender Erkrankungen: Nächtliche unangekündigte Zwangsabschiebung eines Romaehepaares

Pressemitteilung des Netzwerk Asyl Migration Flucht 09. August 2012

In der Nacht vom 07. zum 8. August 2012 wurde das Ehepaar D. (beide über 50 Jahre alt) um 24:00 Uhr ohne Ankündigung aus einem Asylsuchendenheim in Dresden zwangsabgeschoben. Unter der Aufsicht der Polizist_Innen durften sie nur das Nötigste zusammenpacken. Sie verschwanden bei Nacht, ohne die Möglichkeit zu haben, jemanden zu informieren.

Beide in der Nacht zu Dienstag Abgeschobenen sind sehr krank, bei Frau D. hätte in einer Woche eine radiologische Untersuchung der Schilddrüse stattgefunden. Beide Eheleute sind sehr krank. Herr D. leidet unter Herzproblemen, und ist außerdem durch die Repressionen in seinem Heimatland psychisch erkrankt. Die zuständige Amtsärztin stellte ihm jedoch eine Bescheinigung für seine Reisefähigkeit (also seine Befähigung zur Abschiebung) aus, unter der Vorgabe ihm Beruhigungstabletten bei der Fahrt zu geben. Der in Serbien vorherrschende Antiziganismus verhindert die Chance auf eine Erwerbstätigkeit und somit den Zugang für die dringend notwendige ärztliche Behandlung für das Ehepaar.

Die von sozialer Isolation, Diskriminierung, Chancenlosigkeit und Rassismus geprägte Lebenssituation für Roma und Sinti in ihren Herkunftsländern lässt viele Menschen die risikoreiche Entscheidung für eine Flucht fällen.
Im Jahr 2011 war Serbien auf Rang 3 der Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden, 4.579 Asylanträge wurden registriert, davon waren 93% der Antragssteller_innen Angehörige der Minderheit der Roma.
Ein Leben in Sicherheit und die Hoffnung auf gesellschaftliche Teilhabe wird in Deutschland jedoch nicht erfüllt. Die Angst vor der Abschiebung ist ständiger Begleiter der Betroffenen. Alleine 2011 wurden 7.188 Abschiebungen auf dem Luftweg vollzogen, davon 890 nach Serbien.

Wir fordern daher einen Abschiebestopp von Roma in die Länder Exjugoslawiens, eine möglichst schnelle Überführung von Duldungen in eine humanitäre Bleiberechtsregelung und die Unterstützung der Stadt Dresden für die Kampagne „Alle Bleiben“.
Des Weiteren fordern wir eine Aufklärung der Stadt über den Fall sowie eine Stellungnahme zu der vor den Arztterminen und dem Ablaufen des Ausweises erfolgten Zwangsabschiebung. Die Abschiebung dieses Ehepaars ist besonders wegen der schwerwiegenden Erkrankung zutiefst inhuman.

Weitere Informationen zur Thematik sowie Aktivitäten finden sie auf der
Homepage des Netzwerkes: http://namf.blogsport.de

Einen Protestbrief gegen die Abschiebung findet ihr hier.
Quellen:
http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/
http://www.roma-center.de/projekte/bilder/flyer-alle-bleiben.pdf
http://www.l-iz.de/Politik/Leipzig/2012/05/Leipzig-unterstuetzt-Kampagne-Alle-bleiben-NPD-Stadtrat-ufert-aus-41952.html


3 Antworten auf „Trotz schwerwiegender Erkrankungen: Nächtliche unangekündigte Zwangsabschiebung eines Romaehepaares“


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  2. 2 Trotz schwerwiegender Erkrankungen: Nächtliche unangekündigte Zwangsabschiebung eines Romaehepaares « Cartonage News Pingback am 13. August 2012 um 10:40 Uhr
  3. 3 Protest gegen nächtliche Abschiebung nach Serbien | Alternative Dresden News Pingback am 21. November 2012 um 12:01 Uhr
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